Dom Ratzeburg
Restaurierung Westbau (2022-2024)
Der Bau der Domkirche auf einer Halbinsel im Ratzeburger See wurde auf Initiative von Heinrich dem Löwen im Zuge der sächsischen Missions- und Territorialpolitik in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts begonnen. In einzigartiger Weise ist er ein Zeitzeugnis für die Anfänge der Entwicklung des Backsteinbaus nördlich der Elbe.
An der Fassade des Ratzeburger Domwestbaus lagen Schäden vor als
• organische Anhaftungen,
• Substanzverlust an Mörteln der Verfugung,
• Substanzverlust an Ziegeloberflächen,
• Substanzverlust an Ziegelbeschichtungen,
• Substanzverlust an Putzflächen,
• Substanzverlust an Beschichtungen geputzter Oberflächen,
• Rissbildungen in Nord- und Ostfassade.
Im Einzelnen wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:
1. Reinigung der Fassadenoberflächen von den verschieden Anhaftungen und Verunreinigungen in unterschiedlichen handwerklichen und steinrestauratorischen Techniken.
2. Sanierung Fugen und Zierputzflächen mit annähernd materialidentischen bzw. materialähnlichen Materialien, u. a. Hochband-Gipsmörtel, Kalkmörtel, Romanzementmörtel.
3. Ausführung der Ergänzungsverfugungen in Anlehnung an historische Techniken: Minimierung der Fugenberäumung bei Gipsmörtelverwendung so weit wie technisch möglich. (Dünne Schlämmverfugung Nord- und Ostfassade)
4. Rückbau der als ungeeignet bewerteten Restaurierungsmörtel früherer Instandsetzungskampagnen.
5. Metallrestauratorische Konservierung der Maueranker. Zur Beseitigung des von den Flanken der gotischen Maueranker ausgehenden Korrosionsdrucks Freilegung durch Kernbohrungen, Wiedereinbau luftumspült.
6. Steinaustausch im erforderlichen Umfang durch für das Bauvorhaben hergestellte Klosterformat- und Formsteine.
7. Restauratorische Sicherung bzw. partielle Ergänzung der mit Steinkohleteer hergestellten Glasurimitatbeschichtungen mit Baumteer.
8. Sicherung von historischen Farbfassungen auf den Putzflächen bzw. Ergänzung im baukonstruktiv sinnvollen Umgang zur Reduzierung der Feuchtebelastung mit mineralischer Fassadenfarbe.
9. Restauratorische bzw. handwerkliche Überarbeitung der historischen Fenster und deren Verglasung.
10. Klempnermäßige Überarbeitung der Verblechungen und Dachanschlüsse.
11. Tischlermäßige Überarbeitung der Außentüren.
12. Malermäßige Überarbeitung der Schalllamellen mit Baumteeröl.
13. Reparatur Dachwerk über südlichem Turmschulterbau und Herstellung des konstruktiven Holzschutzes.
14. Zimmermäßige Überarbeitung und Ertüchtigung von Revisionskonstruktionen (Laufstegen und Holztreppen) im Inneren.
15. Maurermäßige Überarbeitung der gemauerten Spindel-Treppenstufen und partielle Überarbeitung der Innenwände oberhalb der Gewölbe.
16. Partielle Ertüchtigung und Ergänzung der elektrischen Installation.
17. Partielle Ertüchtigung der Blitzschutzanlage.
18. Herstellung eines Traufpflasters am Gebäudesockel und Modellierung der Geländeoberkante mit definiertem Gefälle zur Ableitung des Oberflächenwassers.
Zur Auswahl mineralogisch geeigneter Mörtel erfolgten umfangreiche Abstimmungen zwischen Planern, Aufsichtsbehörden und der Auftraggeberin. Für die Erprobung der Materialverträglichkeit wurden Musterflächen in Höhe der Schallluken an der westlichen Außenfassade angelegt, die auch im Nachgang der Baumaßnahme einem Monitoring unterzogen werden sollen. (Gesamtkosten 1.412.114,33 €)